"So still, wie es jetzt ist, so sollte es überall und immer sein, Lydia
warum ist es so laut im menschlichen Leben?" "Meinen lieben Dschung,
das findest Du heute nicht mehr ich weiß schon, was Du meinst. Nein,
das ische woll ein für allemal verlöscht ... " "Warum gibt es das nicht",
beharrte ich. "Immer ist etwas. Immer klopfen sie, oder sie machen
Musik, immer bellt ein Hund, marschiert Dir jemand über Deiner Wohnung
auf dem Kopf herum, klappen Fenster, schrillt ein Telephon Gott
schenke uns Ohrenlider. Wir sind unzweckmäßig eingerichtet." "Schwatz
nicht", sagte die Prinzessin. "Hör lieber auf die Stille!"
Es war so still, daß man die Kohlensäure in den Gläsern singen hörte.
... Die Stille wölbte sich über uns wie eine unendliche Kugel.
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Kurt Tucholsky
Ohrenlider
Aus: Kurt Tucholsky, Schloß Gripsholm, Roman, geschrieben im Jahre 1931,
1933 zusammen mit vielen weiteren Büchern von nationalsozialistischen
Studenten und der SA (Schutzstaffel) vor der Berliner Universität
verbrannt.
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